Streckenplanung seit Wochen nicht geändert

....der gestrige Tag war ein echter Durchhänger. Wie oft ich mich gestern gefragt hab, ob die Tour das Richtige ist, was ich tue, ist an zwei Händen gar nicht mehr abzuzählen. Die Nervosität  macht sich so langsam bemerkbar, Tag für Tag, jeden Tag mehr. Ich bekomme Panik, ob ich an alles Gepäck denken werde, dass ich benötige. Ich bekomme Panik, ob ich täglich einen Schlafplatz finde. Ich bekomme Panik, ob mich die Hitze, wie bei meiner Berlinreise, in die Knie zwingen lässt. Bei 37 Grad war das letztes Jahr ein echter Kampf jeden Kilometer zu strampeln.

Ich erinnere mich an einen Tag, als ich vor Erschöpfung am Straßenrand saß, meinen letzten Tropfen Wasser aus der Wasserflasche nuckelte und ich kurz davor war einfach aufzugeben. Es ist nicht die Reise, die einen kaputt macht, sondern die Umstände. In diesem Tag war es die Hitze.
Jeden Tag schaute ich zu, dass ich spätestens 8 Uhr los kam, bevor mich die Mittagshitze vom Bike holt.
Jeden Tag um 7 Uhr aufstehen, radeln bis um 15 Uhr. Schauen wo man sich befindet und sich so langsam um einen Schlafplatz kümmern. Gegen 16/17 Uhr im Hotel sein war jeden Tag ein erreichter Meilenstein. Unter die kalte Dusche stehen zu können und die ganze Anstrengung abzuduschen.
Meine Schlafplätze hatte ich vorher nicht geplant. Doch, die ersten zwei Nächte, aber ab Tag drei hielt ich Ausschau nach Handwerkerzimmer oder billigen Hostelzimmer oder Mehrbettzimmer.
Mehrbettzimmer sind der absolute Favorit.
Wirklich selten so nette und lustige neue Leute kennen gelernt. Die Gespräche in einem Mehrbettzimmer, mit fremden Leuten, teilweise Gleichgesinnte die mit dem Bike unterwegs sind, waren sehr unterhaltsam und motivierend. Jeder sollte einmal in einem Mehrbettzimmer geschlafen haben 😄
 
...zurück zum Straßenrand, an dem ich erschöpft meinen letzten Schluck Wasser nuckelte:
Eine Frau radelte mit ihrem Damenrad an mir vorbei. Sie schaute mich an und blieb stehen und fragte mich: "Alles okay bei dir? Kann ich dir was gutes tun?"
Zuerst wusste ich nicht, was ich sagen sollte, aber im zweiten Moment war ich froh und glücklich, dass es solche Menschen noch gibt.
Ich antwortete: "Ja gerne, wenn Sie mir ein Schluck Wasser hätten?"
Sie kam auf mich zu und meinte: "Komm mit, ich wohne hier 200m weiter, dort kannst du dich in den Schatten setzen. Ich komme gerade vom Einkaufen."
Ich rappelte mich auf, mit müden Beinen, Schwindel im Kopf und schmerzenden Muskeln und folgte ihr.
Sie bat mich in ihren Garten. Von ihrem Hund wurde ich ebenfalls herzlich empfangen. Sie verschwand im Haus und brachte mir kaltes Wasser UND ihr frisch eingekauftes Börek. Ich war so glücklich über Wasser...über WASSER.
Sie erzählte mir über die Gegend und dass morgen Feiertag sei...ups..Feiertag?! Schnell machte ich mir Gedanken, wo ich am nächsten Tag denn ein Zimmer zum schlafen bekomme.
Die gute Frau füllte meine Fahrradflaschen ebenfalls mit Frischwasser auf und verabschiedete sich. Sie hat mir selbst überlassen, wie lange ich noch im Garten sitze. Sie hat mir vertraut.
Ich hinterlies ihr als Dank ein kleines Trinkgeld, als ich das Geschirr vor ihrer Haustür abstellte.
 
Solche Erinnerungen lassen meine Panik schwinden.
An alle die an der Menscheit zweifeln: Es gibt nicht nur schlechte Menschen. Es gibt Menschen, die einen in der Not helfen! Freundliche Menschen die fremden Menschen gutes tun. Solche Menschen trifft man oft beim Bikepacking.
 
Jeden Tag überlege ich, ob ich meinen ersten Streckenteil ändern soll, um die Menschen wieder zu begegnen, die ich bei der Berlinradreise getroffen hatte (mit den ich heute noch Kontakt halte).
Jedoch wäre das sinnlos und würde viele Umwege bedeuten. Aufgrund von Zeitmangel, kann ich die Strecke nicht ändern.
 
Meine Streckenplanung für die Polenradreise:
 
 
P.S.: Von meiner kaputten Schaltung gibt es immer noch nichts Neues. 

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Immer mehr Menschen stellen immer mehr Fragen

Über mich

Noch 2 Wochen/14 Tage/336 h/3.839.247 Nervenzellen